Lars Kempin schreibt am 8. Mai 2015

Wenn der Einkauf auf Agentursuche geht

Shotgun Wedding

(Bild: Shotgun Wedding by Ms. Phoenix, CC BY 2.0)

Vor ein paar Tagen bekommen wir eine E-Mail von einer nicht ganz unbekannten Marke. Eine Marke, die viele von uns täglich und ganz selbstverständlich nutzen. Und von der die meisten von uns ein positives Bild haben dürften. Dieses Bild hat jetzt gewaltige Kratzer. Der Lack ist ab. Zumindest bei uns. Was ist passiert?

In der besagten E-Mail ging es um eine Ausschreibung für eine crossmediale Kampagne. Adressiert war sie recht unpersönlich an unsere hello@-Adresse mit „Sehr geehrte Damen und Herren“. Von da an war klar, hier spricht nicht das Marketing, sondern der Einkauf. Hier wird kein Partner, sondern ein Lieferant gesucht. Hier spricht jemand distanziert im Auftrag von. Hier handelt es sich um eine Ausschreibung an die Masse, nicht um eine Ausschreibung mit Klasse. Hier geht es nicht um den Aufbau einer Beziehung, sondern um Zweckdienlichkeiten. Und so zog sich der Duktus im Anschreiben durch, immer nach dem Gebot, der Zweck heiligt die Mittel. Da darf man auch über Rechtschreibfehler hinwegsehen – ich bitte euch, darauf kommt es doch wirklich nicht an. Wer hat schon Zeit fürs Korrekturlesen. Hauptsache die Fakten kommen schnell und effizient auf den Tisch.

Das Ganze gipfelte dann im Anhang. Statt eines Briefings, das üblicherweise in einem Textdokument verfasst ist, gab es eine Excel-Tabelle mit drei Laschen. Einige Spalten waren leer und sollten mit Agenturangaben ergänzt werden. Auch hier wurde schnell klar, dass das Format nur einem Zweck dient: der schnellen Addition von Preisen und den Agentur-Dienstleistern möglichst wenig Platz für umschweifende Antworten einzuräumen.

Einige Fragen bezogen sich auf die Nutzung von Produkten des Unternehmens. Spätestens an dieser Stelle schlug die immer schlechter werdende Laune in Ärger um. Ist klar, wenn man schon so eine Massenausschreibung macht, kann man ja gleich noch eine kostenlose Marktforschung integrieren. Ja, der Einkauf. Ist er nicht gerissen und immer im Sinne der Effizienz ein schlaues Kerlchen?

Übrigens wurden Umsatzzahlen mit der Selbstverständlichkeit einer Telefonnummer abgefragt. Aber im Gegenzug dazu wurde nicht ein einziges Wort darüber verloren, ob der Auftraggeber für die abgefragten Konzepte ein Pitch-Honorar zahlt, also die teilnehmende Agentur mit einer Aufwandsentschädigung honoriert. Das ist wirklich ganz großes Kino.

Liebe Einkäufer – sollten Sie in Zukunft bei Ihrer Agentursuche an unserer Tür vorbeikommen, gehen Sie bitte schnell weiter. Wir kaufen nichts. Egal wie groß, schick und schillernd Ihre Marke oder Ihr Unternehmen auch sein mag.

Kommentare

  1. Mediahipster

    Blood advertising, eine Agentur mit “Machern”, wo der Papa noch selbst am Herd steht. Eine Agentur die stolz auf ihre Wortkreationen wie Full-Focus ist (aber sowas billiges wie Full-Service nie in den Mund nehmen würde).

    Hier ist man noch beleidigt wenn man nur einer von vielen ist. Wenn man von “nicht ganz unbekannten Marken” als ziemlich unbekannte Marke nicht mit dem nötigen Respekt behandelt wird. Hier darf man noch der Rebell sein.

    Wenn Marke X nicht in euer gewünschtes Kundenprofil passt, gut und schön. Dass ihr hier so dermaßen dämlich auf eurem Blog rum ranten müsst, eher nicht. Ihr funktioniert so, die funktionieren so. Haken drunter und weiter machen.

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