Lars Kempin schreibt am 1. Mai 2014

Hallo Welt!

Das gleichnamige Album von Max Herre ist nicht nur besonders hörenswert, “Hallo Welt!” ist auch der Name des Auftaktsongs und ein passendes Leitmotiv für alles, was gerade neu beginnt. Das schließt dieses Blog und diese Website mit ein. Ja, und natürlich, auch diese Agentur. Also drückt Play und lauscht zu “Hallo Welt!”, wenn ihr diese Zeilen lest.

Norman und ich freuen uns seit Mai 2013 jeden Tag, dass wir den Schritt gemacht haben, BLOOD Actvertising zu gründen, Ausrichtung und Erscheinungsbild festzulegen, Kunden – und seit kurzem auch die ersten Mitarbeiter – zu überzeugen, sich mit uns auf eine Reise zu begeben. Eine Reise mit unbekanntem Ziel. Dafür an dieser Stelle ein großes Dankeschön für das Vertrauen.

Auch wenn wir beide darauf achten unsere Ausgaben im Griff zu halten und uns beispielsweise bislang lieber in Bürogemeinschaften eingenistet haben als eigene Räume anzumieten, wissen wir natürlich, dass so eine Gründung gehörig nach hinten los gehen kann. Gerade im Bereich Kommunikation, ist es ja nicht so, dass irgend jemand weiche Knie oder feuchte Augen kriegt, wenn eine weitere Agentur den eh schon aufgeblähten Markt noch mehr aufbläht. Tim Koch von der tsac Vertriebs GmbH, hat seine Start-Up-Situation sehr treffend mit, “zwischen Pleite und Welterfolg ist bei uns alles noch drin”, beschrieben.

Das man sich als Neugründung irgendwo zwischen diesen Extremen bewegt, damit haben wir uns abgefunden. Es ist ein Risiko, das wir aber gerne eingehen, weil das Gefühl innerer Zufriedenheit überwiegt. Die Euphorie eine eigene (Agentur-)Marke zu besitzen, trägt uns wie Wellen zu neuen Ufern. Und letztendlich macht der Charme der Unvorhersehbarkeit ja auch genau den Reiz einer Gründung aus.

Das hören wir auch immer wieder, wenn wir Unternehmerpersönlichkeiten wie Tim Koch für Marken-Made-in-Germany porträtieren. Unsere persönliche Auseinandersetzung mit Marken und Machertypen; mit Persönlichkeiten, die uns inspirieren und von denen wir lernen. Entscheidend ist, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Wer sich traut, gewinnt Vertrauen – in sich selbst und sein Unternehmen. Es braucht ein naives Maß an Selbstüberschätzung gepaart mit viel Leidenschaft für die Sache. Mit dieser Voraussetzung nimmt man dann auch so manche Hürde auf dem Weg, von der man gar nicht wusste, dass sie im Weg steht. Die ersten Gehversuche als Unternehmer ähneln mehr einem Stolpern als Michael Jacksons Moon Walk. Plötzlich steht man da mit seinen rohen unausgegorenen Plänen. Da hilft dann nur ansteckender Enthusiasmus und stoische Beharrlichkeit. So oder so ähnlich beschreiben eigentlich alle Macher ihre ersten Schritte in die Unabhängigkeit.

Roh ist auch unser Schriftzug “BLOOD”. Den finden nicht alle harmonisch und formvollendet. Unausgegoren und unruhig, sei er nach Meinung einiger Designer und Kommunikationsprofis. Selbstkritisch betrachtet fühlt er sich in Präsentationen hin und wieder wie ein Fremdkörper an. Nicht in unseren eigenen, aber in denen unserer Kunden, die unseren Schriftzug einbauen, um zu zeigen, wer sie jetzt bei der Kommunikation unterstützt. Besonders störend wirkt er auch auf Firmenschildern, auf denen viele Logos in friedlicher Koexistenz nebeneinanderstehen. Wie zuletzt in der Bürogemeinschaft von Loma Linda. Es sieht dann so aus, als passe unsere Marke nicht so recht in die Welt der wohl proportionierten und harmonischen Firmenlogos. Oder anders formuliert: Ohne unseren Schriftzug hätte das Türschild besser ausgesehen.

Loma-Linde

 

Aber genau deswegen gefällt uns der Schriftzug so gut. Es ist ein Statement. Ein bisschen Misfit zu sein, war ja eh noch nie verkehrt. Denn das Perfektionierte, das Hochglanzgelackte, das Kanten- und Eckenfreie – an all dem haben wir uns in den letzten Jahren recht satt gesehen. Außerdem hat das “Unruhige” auch was Aktionistisches. Da steckt Bewegung drin. Ein Spiegel dessen, dass die Dinge da draußen in Bewegung sind.

Wir beobachten seit längerem ein paar Entwicklungen, die Zuversicht geben, dass sich in der überwiegend recht konservativen Marketingwelt was tut. Haltung und Einstellung scheinen sich in einigen Grundsätzen nachhaltig zu ändern. Es gibt eine Öffnung hin zu mehr Substanz, Toleranz und Mut. Pionier- und Probiergeist schlagen Dogmatismus. In den nächsten Absätzen wollen wir versuchen zu erklären, was wir meinen.

 

CONTENT – NICHT KÖNIG, ABER ETWAS WORÜBER MAN SPRICHT
Sachar Kriwoj, Global Head of PR & Communications für Glossybox und Blogger hat als Gastautor auf Content Marketing, einer Publikation des Content Marketing Institut über die Genese des Web 2.0 zum Content Marketing geschrieben. Seine Beobachtung: Während beim “Web 2.0″ noch große Ablehnung vorherrschte, bei “Social Media” das große Abwägen und Zweifeln einsetzte, hat sich spätestens mit “Content Marketing” die Debatte, ob Unternehmen da mitspielen sollten, in Richtung, wie können Unternehmen da mitspielen, gedreht. Eine Beobachtung, die wir teilen und die zeigt, dass die schillernde Werbefassade und kampagnenorientierte Flighting-Strategie nicht mehr ausreichen, um als Marke langfristig glaubwürdig zu sein. Wir glauben, dass substanzielle und nützliche Inhalte sowie interaktions- und dialogorientierte Kommunikation, die während und vor allem zwischen den Kampagnen-Flights mediengerecht auf diversen Kanälen stattfindet, heute den entscheidenden Unterschied machen.

 

KEINE ANGST, DIE WOLLEN DOCH NUR SPIELEN
Im Design Magazin PAGE war Anfang 2013 vom Post-Branding die Rede. Eine Art Befreiungsschlag und Ausbruch großer Marken aus dem Korsett eng definierter und seitenschwerer Corporate Design Manuals. Die Idee dahinter ist ebenso einleuchtend wie überzeugend: Agentur-Partnern, also den Experten für Design, stärker zu vertrauen und sie mit dem Marken-Erscheinungsbild experimentieren zu lassen. Denn eine konsistente Markenstory manifestiert sich weniger in der Umsetzung als in der Markensteuerung. Ist man ein souveräner Steuermann, überlässt man auch mal seinen Fans ein Stück Deutungshoheit über ihre Lieblingsmarke. Warum nicht mal einen Messestand oder Pop-Up-Store von Künstlern ganz frei, ohne jegliche Vorgaben, gestalten lassen und am Ende sogar auf das millionenschwere Absenderlogo verzichten? Konsequentes Debranding statt der sonst üblichen Norm “make-the-logo-bigger”. Welche Branding-Effekte ein nicht gebrandeter Gegenstand erzielen kann, habe ich erst kürzlich bei meinem Stadtfahrrad von der Marke MIFA erlebt. Da habe ich vor der ersten Fahrt sämtliche Aufkleber mit Hinweisen auf die Marke entfernt. Seitdem sprechen mich Freunde und Bekannte auf das Fahrrad an und wollen wissen, was das für eine Marke ist. Weniger kann so viel mehr sein.

 

PLEASE, TOUCH THE FUCKING LOGO!
Google zeigt uns seit Jahren den spielerischen Umgang mit dem Erscheinungsbild des eigenen Logos und lässt den Marketing Grundsatz, “never touch the fucking logo”, alt und tradiert aussehen.  Das MIT Media Lab verzichtet sogar ganz auf ein statisches Logo und setzt stattdessen auf generatives Design. Drei Formen werden durch einen Algorithmus immer wieder neu kombiniert. Das soll die individuellen Fähigkeiten des MIT Lab und den Input, den jeder einzelne Forscher leistet, betonen. Jeder Fachbereich und jeder Mitarbeiter erhält so seine einzigartige und individuelle Logovariante.

 

 

GUTER GASTGEBER STATT AUFDRINGLICHE SELBSTINSZENIERUNG
Marco Spiess hat in seinem Buch “Branded Interactions – Digitale Markenerlebnisse planen und gestalten” anschaulich beschrieben, wie sich aus der Betrachtung von Marke, User und Business Modell neue Interaktionen designen lassen. Mit Design ist hier keinesfalls nur der Look von Nutzeroberflächen gemeint, sondern die Gestaltung von Interaktionsmomenten zwischen User und Marke über unterschiedliche Touch Points.
Die Anhänger der Design Thinking Schule raten zum Instant Prototyping, zum Verwerfen und wieder neu machen. Iterative Prozesse mit manifesten Zwischenergebnissen statt verkopfter, aufgeblähter, strategischer Pläne mit mangelnder Erdung in unserer Lebenswirklichkeit.
Für uns sind das Anzeichen dafür, dass Menschen mit ihren konkreten Bedürfnissen und nicht Marken und Unternehmen mit ihren Absichten, im Fokus stehen. Marken, die verstehen, dass nicht sie Zentrum des Universums sind, sondern ihre Nutzer, geben sich wie ein guter Gastgeber, der im Hintergrund die Fäden zieht. Dass diese Denke auch in der klassischen Kommunikation angekommen ist, zeigt der Google Maps TV-Spot “Lars und Isa: Zwei gegen die Flut.”

 

 

DIE EINZIGE KONSTANTE IST DIE VERÄNDERUNG
Eine weiteres spannendes Phänomen unserer Zeit beschreibt Peter Kruse, Wissenschaftler im Bereich der Organisationspsychologie und Unternehmensberater. Er spricht vom Spagat zwischen Stabilität und Instabilität, den Unternehmen erst noch lernen müssen. Es geht dabei um die schmerzliche Einsicht, dass in unserer komplexen Welt die Fähigkeit verlässlicher Vorhersagen zum reinen Wunschdenken mutiert ist. Daraus folgert Systemtheoretiker Kruse die Notwendigkeit, Komplexität im Unternehmen zu kultivieren, denn so könnten sich Unternehmen schneller an neue Gegebenheiten anpassen und langfristig ihre unternehmerische Existenz sichern. Diversity heißt das Zauberwort. Und wer Vielfalt lebt, der erzeugt im Unternehmen Komplexität und kann so den komplexen Anforderungen von außen besser die Stirn bieten, weil er in der Lage ist, aus sich heraus Neues entstehen zu lassen.

Einerseits liefert das eine Erklärung dafür, dass die bisherigen Marketing- und Kommunikationskonzepte mit langen vorausschauenden Planungshorizonten begrenzt  mit unserer kurzlebigen und hochvernetzten Welt kompatibel sind. Andererseits ist das eine Aufforderung an Unternehmen stärker auf Vielfalt in Form von unterschiedlichen Typen, Lebensentwürfen und Erwerbsbiographien zu setzen, Strukturen für Vernetzung zu schaffen und den Anders- und Querdenkern, den vermeintlichen “Störern”, Raum zur Entfaltung zu geben.

Eine paradoxe Herausforderung, denn Kunden und Mitarbeiter verlangen zurecht nach Stabilität, Verlässlichkeit und Sicherheit. Das Gehalt soll pünktlich aufs Konto, der Job on time abgeliefert werden etc. Gleichzeitig wollen und brauchen Kunden innovative und intelligente Kommunikationslösungen, die den komplexen Marktsituationen gerecht werden. Und motivierte, gute und treue Mitarbeiter bekommen Sie auch nur dann, wenn Sie Raum für kreatives Chaos zulassen. Als junge Firma, wie wir, will man ein verlässlicher Partner sein. Dabei darf man wohl nie vergessen, dass das nicht nur Stabilität, sondern auch Instabilität erfordert. Denn was nutzt es einem, wenn man die Jobs zwar on time abliefert und Mitarbeiter wie Kunden zufrieden sind, aber einem so langsam die Ideen ausgehen und keine Weiterentwicklung mehr stattfindet. Vielleicht muss man sich einfach immer Steve Jobs Aufruf, “Stay hungry. Stay foolish”, vergegenwärtigen.

Was hat das jetzt mit diesem Blog, dieser Website und dieser Agentur zu tun? Vieles. Denn die Gedanken, die hier stehen, sind in die Gründung mit eingeflossen. Es sind Themen (neben vielen anderen spannenden Dingen, wie Buchhaltung, Umsatzsteuervoranmeldung, Belegwesen), die uns beschäftigt haben. Themen, bei denen wir uns gefragt haben, welche zukünftige Agenturausrichtung macht am meisten Sinn?

 

 

RIGHT THOUGHTS. RIGHT ACTION. RIGHT WORDS.
Wir wollen Teil der Veränderung und Teil der Lösung sein. Dabei sein, wenn Marketing und Kommunikation Neuland betreten. Mitsingen, wenn “Mach neu” von Peter Fox aus den Boxen dröhnt. Also bitte wieder auf “Play” klicken und lauschen, während wir zum Schluss kommen.

Wir haben uns gefragt, ob es nicht einen neuen Agenturentwurf braucht. Einer der Kommunikation nicht fragmentiert und auf das Gesagte reduziert, sondern als Summe alle Aktionen, die von Unternehmen und Marken ausgehen, betrachtet. Klingt kompliziert, ist aber ganz banal: Ankündigen können Sie viel, wenn Sie nicht liefern, bleiben es unerfüllte Versprechen. Deswegen wollen wir mit unserem Ansatz, Mut für Taten machen. Denn die glaubwürdigste Art und Weise etwas zu sagen, ist, indem Sie einfach das tun, was Sie sagen wollten. Sie liefern durch Ihre Tat den Beweis und wir helfen Ihnen diese Beweise so gut wie möglich zu inszenieren und zu kommunizieren. Genau das meinen wir mit Actvertising.

 

(tl;dr) Gründen ist wie mit verbundenen Augen Achterbahn fahren: Es fordert einen, macht aber auch Spaß, weil man nie weiß, was als nächstes kommt. Im Marketing und in der Kommunikation werden gerade einige alte Zöpfe abgeschnitten. Wer einen Neuanfang sucht, für sich selbst, seine Marke oder seine Kommunikation oder sich einfach nur mal austauschen will, der stößt bei BLOOD auf offene Ohren.

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